Versli und Kurzgeschichten

Ich habe hier eine kleine Sammlung an Versen und Geschichten zum Vorlesen oder Einüben. Wenn euch etwas gefällt, nehmt es euch einfach. Viel Spass damit... 

Samichlausversli

 

Ändlich bisch du wider da,

 

 oh Samichlaus, du liebe Maa.

 

 So lang han ich müese uf dich warte.

 

 Bin immer go gügsle, use in Garte.

 

 Jetzt dörf ich dich ändlich gseh.

 

 Ich freu mich, Samichlaus, juhee.

 

Gutenachtgeschichte

Träum schön, Max

 

«Nein», sagt Max und stampft mit dem Fuss auf den Boden.

«Du musst morgen in den Kindergarten. Und da musst du fit sein», sagt Mama.

«Ich will nicht schlafen. Schlafen ist doof», findet Max.

Mama rollt mit den Augen. Sie muss aber auch ein bisschen schmunzeln.

«Warum ist Schlafen doof?»

«Weil ich dann keine Abenteuer erleben kann. Und ich möchte Abenteuer erleben.»

«Was für Abenteuer denn?», will Mama wissen.

Sie setzt sich auf Max’ Bett.

 

Max hat ein tolles Bett. Es sieht aus wie ein Piratenschiff. Vorne hat es einen spitzen Bug und hinten, da wo Max’ Kissen liegt, steigt eine richtige Piratenflagge empor.

Max hat auch ein Piratenschwert. Er nimmt es in die Hand und schwingt es durch die Luft.

«Ich will ein Pirat sein und grosse Schätze finden», erklärt er Mama.

Er hüpft mit dem Schwert auf dem Bett herum.

«Oder ich bin ein Forscher im Dschungel und finde wilde Tiere.»

«Das ist aber ganz schön gefährlich. Was, wenn ein Tiger dich beisst?»

«Das schafft er nicht. Denn ich renne ganz schnell weg», sagt Max mutig. «Ich wäre auch gerne ein Pilot. Dann könnte ich riesige Flugzeuge fliegen und die ganz Welt sehen.»

«Bist du denn nicht noch ein bisschen klein für solche Abenteuer?», will Mama wissen.

«Ich bin doch schon gross», sagt Max. «So gross, dass ich noch lange aufbleiben darf.»

Mama muss ein bisschen lachen. Sie zieht Max zu sich heran und er kuschelt sich fest in Mamas Arme. Sie streichelt seine dicken, blonden Haare.

«Wenn du erwachsen bist, dann darfst du alle Abenteuer erleben, die du willst. Aber jetzt, als Kind, hast du nur eine Möglichkeit, ein Pirat, ein Forscher oder ein Pilot zu sein», sagt Mama geheimnisvoll.

«Welche denn?», will Max wissen.

 

Er schaut zu Mama hoch.

«In deinen Träumen, mein Schatz. Da kannst du alles sein, was du nur willst. Deshalb ist das Schlafen auch so schön. Weil man da träumen kann. Von fernen Ländern, vom Fliegen, von grossen Schätzen aus purem Gold.»

«Mh», macht Max. Auf einmal findet er die Idee zu schlafen gar nicht mehr so schlimm.

Und vielleicht ist er doch auch ein klitzekleines bisschen müde.

Wenn er ehrlich war.

«Ich habe schon viele tolle Sachen geträumt», sagt Max.

«Siehst du», sagt Mama, «aber das kannst du nur, wenn du deine Äuglein schliesst.»

Max’ Augen sind schon zu. Denn er ist wirklich ein klitzekleines bisschen müde.

Mama streichelt über Max’ Haare. Sie gibt ihm einen Kuss auf die Wange. Dann legt sie ihn ganz sanft in sein Piratenbett und zieht die Decke über ihn.

 

«Ich möchte träumen…», murmelt Max verschlafen.

«Mach das, mein Schatz. Und erlebe viele Abenteuer. Ich hab’ dich lieb», sagt Mama.

 

Schlaf gut, Max.